Volles Lager, voller Ärger - TA 25.10.2018

28.10.2018 17:20

Unter folgenden Link findet Ihr den Artikel in der Thüringer Allgemeine vom 25.10.2018:

https://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/sport/detail/-/specific/RWE-Fanartikel-Volles-Lager-voller-Aerger-1180449198?fbclid=IwAR1Yh7pB7F-drpTtShFcg6ljndSresFaxZ-ebIssntmZHS5-9Dja6IIABZs#.W9IBVHrE_bU.facebook

Wir möchten einge Textpassagen kommentieren bzw. richtigstellen:

" Auf unser Gegenangebot wurde gar nicht erst geantwortet. Herr Reinhardt ist für uns nicht erreichbar“, meint Lutz Kühn . "

Diese Aussage wurde nicht korrekt wiedergegeben. Richtig ist, dass auf unsere Gegenangebote geantwortet wurde.

"Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat indes – erwartbar – eine ganze andere Auffassung. Er habe mehrfach Angebote für eine Lösung unterbreitet, einen Inventurnachweis verlangt und auf stichpunktartige Kontrollen bestanden. Darauf sei von Seiten der GbR nicht eingegangen worden."

Die gemachten Angebote fielen allesamt einer vernunftbasierten wirtschaftlichen Bewertung zum Opfer. Das Risiko war einfach zu hoch.

Wir baten zuletzt nochmals um ein persönliches Gespräch, um die Situation ohne weitere Rechtsstreitigkeiten zu Gunsten beider Seiten klären zu können. Erst im Rahmen dieses Gespräches, am 10.08.2018, wurde überhaupt eine Inventurliste angefordert. Wir sagten zu, diese schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen und Stichproben zu ermöglichen. Wir machten uns direkt an die Arbeit und erfassten und registrierten unseren Warenbestand. Am 10.09.2018, um 11:56, wurde die Warenbestandsliste an Herrn IV Reinhardt per email versendet. Eine Reaktion durch die Insolvenzverwaltung erfolgte daraufhin bis zum 23.10.2018 leider nicht mehr. Eine Eingangsbestätigung liegt jedoch mittlerweile vor.


Reinhardt sieht sich für RWE im Recht. Das sei auf seiner Seite, denn wieso hätte die GbR sonst zwei Unterlassungserklärungen für den Abverkauf unterschrieben. Für ihn gehöre in dieser Sache Kompromissfähigkeit dazu und die vermisse er.

Es wurde keine Unterlassungserklärung zum Abverkauf unterschrieben. Lediglich das Unterlassen des Vertriebes einiger bestimmter Artikel wurde mit Unterschreiben der Unterlassungserklärungen, strafbewehrt, zugesichert.

Entgegen der Empfehlungen des uns beratenden Anwaltes, entschieden wir uns letztendlich dazu,  zu unterschreiben, um einem teuren Gerichtsverfahren, möglicherweise über mehrere Instanzen, vorzubeugen. Kalte Füße.

Zusätzlich ausschlaggebend war, dass uns durch Herrn RA Reinhardt im Rahmen des letzten Gesprächstermines, am 10.08.2018, weitere Gespräche und Maßnahmen zur einvernehmlichen Klärung lediglich unter der Vorraussetzung der zeitnahen Unterzeichnung der beiden Unterlassungserkläungen in Aussicht gestellt wurden. Das geforderte strafbewehrte Erklären, bestimmte Handlungen zukünftig zu unterlassen, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass wir das Vorgehen der Insolvenzverwaltung als gerechtfertigt betrachten.

Reinhardt geht noch weiter: „Es gibt im Bestand echte Ladenhüter, deren Abverkauf kaum möglich ist. Falsche unternehmerische Entscheidungen kann man dann doch nicht anderen in die Schuhe schieben“, sagt er.

Natürlich gibt es Artikel im Bestand, die sich weniger gut verkauften. Das ist im Handel nicht unüblich. Insgesamt betrachten wir dafür jedoch auch Bedingungen als ürsächlich, welche wir nicht beeinflussen können, wie z.B. sportliche Mißerfolge, zuletzt katastrophale Wahrnehmung des Vereines in der Öffentlichkeit, negative Ereignisse und ein insgesamt überschaubares jedoch äußerst treuer Fan- bzw. Kundenkreis. Der
vertraglich vereinbarte Abverkaufszeitraum mit einer Dauer von 2 Jahren nach Vertragsbeendigung gewährt allerdings umfassende Möglichkeiten, insgesamt alle Artikel mit ausreichendem Kapitalrückfluss zu verwerten. Die unternehmerische Entscheidung, unseren Vertrag zu kündigen und uns jegliche Rechte zu verwehren indes, haben wir nicht selbst getroffen.

Und fügt aber an, dass er trotz der persönlichen Beleidigungen auf der Internetseite der GbR weiterhin zu konstruktiven Gesprächen bereit sei.

Uns wurde durch die Insolvenzverwaltung mitgeteilt, dass einige Formulierungen in unserem Text im entsprechenden Kontext in ihrer Art und Weise dazu geeignet seien, Herrn IV Reinhardt zu beleidigen. Bei allem Anlass zur Kritik, war dies niemals beabsichtigt. Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, die entsprechenden Äußerungen aufrecht zu erhalten. Wir haben daraufhin die entsprechende Passage editiert.
Wir danken Herrn Reinhardt dafür, dass er bereit ist, persönliche Belange den Interessen des Vereines und dessem Umfeld unterzuordnen.

Wir hoffen, die angesprochenen Gespräche zeitnah zielführend und konstruktiv führen zu können. Wir sind jederzeit ansprechbar.

 

 

Abschließend findet Ihr den gesamten Text des Artikels vom 25.10.2018 - Thüringer Allgemeine/Michael Keller:
 

Erfurt. Da sitzt das Quartett. Auf kistenweise Fanartikeln des FC Rot-Weiß Erfurt, darf aber Tassen, Basecaps, Schals, Biergläser oder Dresse nicht verkaufen.

„Insgesamt 300 verschiedene Fanartikel oder 35.000 Einzelteile. Verkaufswert etwa 300.000 Euro“, sagt Stephan Karl. Bei den Fans ist er der „Igel“. Der 49-Jährige sorgt mit seinen Kompagnons Lutz und Heiner Kühn und Tino Linnhose seit vielen Jahren verlässlich dafür, dass der treue RWE-Fan trotz aller Nackenschläge zuverlässig ein breites Reservoir an Merchandising-Produkten seines Herzensvereins bekommt.

Seit 1999 ist Stephan Karl im Geschäft. Mit einem Kumpel wurde zuerst nur verkauft, ab 2009 auch selber produziert. 2013 wurde dann, da RWE recht passabel spielte, der Bedarf immer höher. Logisch, nach einem Sieg wird der Geldbeutel gern geöffnet für ein Badehandtuch oder einen Slip für die Liebste – klar, mit Vereinslogo.

30.000 bis 40.000 Euro betrug die Lizenzgebühr, die pro Jahr an den Verein gezahlt wurde, der aber auch selber sein Fanartikelgeschäft parallel betrieb. Das funktionierte eigentlich recht passabel. Wäre dann Rot-Weiß nicht in die Insolvenz geraten und auch noch aus Liga drei abgestiegen.

Mitte Juli flatterte der Ballsport GbR, die im Zughafen ihr Domizil hat, die Kündigung des Vertrages, der eigentlich bis zum 30. Juni 2019 laufen sollte, ins Haus. Absender: Insolvenzverwalter Volker Reinhardt. Kündigungstermin: 30. Juni 2018.

Firma will RWE Ware für 5000 Euro schenken

Man begann neu zu verhandeln. Doch es gab keine Einigung. „Wir sollten mehr Lizenzgebühren bezahlen, um unsere noch vorhandene Ware abverkaufen zu können. Neues sollten wir aber auch nicht mehr produzieren. Dieses Angebot war für uns inakzeptabel. Wir sind bis an die Schmerzgrenze gegangen. Auf unser Gegenangebot wurde gar nicht erst geantwortet. Herr Reinhardt ist für uns nicht erreichbar“, meint Lutz Kühn. Dafür wurde der Abverkauf durch den Insolvenzverwalter untersagt. Es gab sogar Unterlassungserklärungen. Die Ballsport GbR knickte ein in der Gewissheit, sich einen sehr teuren Rechtsstreit mit Reinhardt nicht leisten zu können.

RWE verkauft nun selbst Artikel, die vom Wosz-Fanshop aus Halle/S. geliefert werden. Maximal 30 Artikel, so Kühn, seien noch im Angebot und man habe hier gar keine Struktur für das RWE-Merchandising-Geschäft. Zudem: in Liga vier seien die Wosz-Artikel teurer „als bei uns in Liga drei“, ist das Kleeblatt überzeugt. Wie in Erfurt seien schon alteingesessene Fanartikel-Anbieter in Jena und Chemnitz verdrängt worden.

„Verstehe ich nicht“, sagt „Igel“. Der Verein werbe um mehr Zuspruch und Sponsoring bei einheimischen Unternehmen, bringe aber einen Mittelständler um seine Einnahmen. „Wir haben RWE immer mit Herzblut unterstützt, sind kurzfristig auf Wünsche eingegangen und nun das“, sagt Lutz Kühn. Und bietet, wie zum Beweis, dem chronisch klammen Klub kostenlose Fanartikel im Wert von 5000 Euro an. Um RWE in der – wieder mal – kritischen Finanzsituation zu helfen.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat indes – erwartbar – eine ganze andere Auffassung. Er habe mehrfach Angebote für eine Lösung unterbreitet, einen Inventurnachweis verlangt und auf stichpunktartige Kontrollen bestanden. Darauf sei von Seiten der GbR nicht eingegangen worden. Reinhardt sieht sich für RWE im Recht. Das sei auf seiner Seite, denn wieso hätte die GbR sonst zwei Unterlassungserklärungen für den Abverkauf unterschrieben. Für ihn gehöre in dieser Sache Kompromissfähigkeit dazu und die vermisse er.

Reinhardt geht noch weiter: „Es gibt im Bestand echte Ladenhüter, deren Abverkauf kaum möglich ist. Falsche unternehmerische Entscheidungen kann man dann doch nicht anderen in die Schuhe schieben“, sagt er. Und fügt aber an, dass er trotz der persönlichen Beleidigungen auf der Internetseite der GbR weiterhin zu konstruktiven Gesprächen bereit sei. Klingt zumindest erstmal so, als sei die rot-weiße Tür noch nicht ganz zugeschlagen.